Haus St. Antonius
Grein a.d. Donau / Österreich

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Geistlicher Impuls 

 
Grußwort für das Quartal September - November 2018

    Pfarrer Mag. Leopold Gruber
    Leiter des Hauses


 

Ein herzliches Grüß Gott,
liebe Freunde und Wohltäter des Hauses St. Antonius!

Kennen wir Gottes "Durst"? Etwas ungewöhnlich dieser Ausdruck, vom "Durst" Gottes zu sprechen. Das Johannesevangelium berichtet, wie Jesus auf dem Weg nach Galiläa durch das Gebiet von Samarien zum sogenannten Jakobsbrunnen gelangt, sich dort ermüdet von der Reise niedersetzt. Als eine samaritische Frau kam, um Wasser zu schöpfen, spricht Jesus sie an: "Gib mir zu trinken!" (Joh 4,7).

Vordergründig bittet Jesus um Wasser zum Trinken. Mit seiner Bitte beginnt ein heilsamer Dialog, der für die samaritische Frau zu einer Quelle des Lebens wird. Jesu "Durst" ist das göttliche Verlangen, dem Menschen Heil und Rettung, Frieden und Erfüllung zu schenken. In der Begegnung mit dem "dürstenden" Jesus beginnt ein Wandel im Leben der samaritischen Frau. In dem Augenblick, wo sie spürt und erkennt, dass sie von diesem "Dürstenden", der sie um Wasser gebeten hatte, im wahrsten Sinne des Wortes "durchschaut" wird, erkennt sie betroffen und sagt: "Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist" (Joh 4,19). Zutiefst berührt vom Gespräch mit Jesus am Brunnen eilt sie in den Ort und sagt zu den Leuten: "Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?" (Joh 4,29).

Wir sehen bei dieser Begegnung Jesu mit der samaritischen Frau: Im innersten ihres Herzens beginnt ein neues Leben zu erwachen, sie spürt, dass sie etwas empfangen hat, was ihr bisher noch niemand geben konnte: die göttliche Liebe, ein tiefes Angenommen- und Ernstgenommen-Werden. Zugleich war das ein Erkennen, was wahre Liebe ist; es war die Befreiung aus Schuldverstrickung.

Am Beginn des Dialogs hatte die Frau betreffend Verhältnis zwischen Juden und Samaritern noch Einwände. Doch Jesus antwortet ihr: "Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben." (Joh 4,10).

Was bedeutet das für uns? Wenn wir wüssten, was Jesus uns geben möchte, was er für uns bereit hält, wir würden uns ihm ganz überlassen, wir würden ganz unsere Vergangenheit, unser Versagen ihm anvertrauen, wir würden alles von ihm erwarten, wir würden ... !

Jesu "Durst", sein Verlangen ist es, für uns alles zu sein. Er sucht den Dialog mit uns, er wartet darauf, dass wir uns wie die samaritische Frau - auch wenn Einwände da sind - auf eine Begegnung mit ihm einlassen, dass wir unser Leben ihm übergeben.

Wenn wir wüssten, was Jesus in seiner Passion für uns auf sich genommen hat, wir würden betroffen und zutiefst dankbar das Geschenk der Erlösung wollen und annehmen und es durch unser Leben bezeugen.

Mit den untenstehenden Worten lade ich ein, wo immer wir augenblicklich im Leben stehen oder unterwegs sind, zu einem Dialog mit Jesus, dem "Dürstenden" nach unserem Heil:

"Gib mir dein Herz, liebe mich, so wie du bist!
Wenn du darauf wartest, ein Engel zu werden,
um dich der Liebe hinzugeben,
wirst du mich nie lieben.
Wenn du auch feige bist in der Erfüllung der Pflichten
und in der Übung der Tugenden,
wenn du auch oft in jene Sünden zurückfällst,
die du nicht mehr begehen möchtest,
ich erlaube dir nicht, mich nicht zu lieben!
Liebe mich wie du bist!

In jedem Augenblick und in welcher Situation
du dich auch befindest,
im Eifer oder in der Trockenheit,
in der Treue oder Untreue,
liebe mich, so wie du bist! -
Ich will die Liebe deines armen Herzens;
denn wenn du wartest, bis du vollkommen bist,
wirst du mich nie lieben!"

entnommen dem Heft "Gebete"
von Br. Leonhard OFM
Franziskanerkloster Näfels, Schweiz

 

 

 


 

 

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