Haus St. Antonius
Grein a.d. Donau / Österreich
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Mag. Elisabeth Svoboda                                                                                                                            alle Artikel          Startseite

Was passiert bei der Heiligen Messe ?

Wir wissen, daß die Hl. Messe etwas Besonderes und Wichtiges ist. Trotzdem wird sie, vor allem wenn sie nicht besonders gestaltet ist, oft als langweilig empfunden. Bei all den verschiedenen Dimensionen der Hl. Messe wie Gemeinschaft, Kommunionempfang, Sendung in die Welt ... soll hier speziell das zentrale Geschehen der Hl. Messe beleuchtet werden.

Ein wortgewaltiger Prediger, der Schweizer Prälat Robert Mäder, 1875 - 1945, der auch Schriften verfaßt hat und über die Schweiz hinaus bekannt war, drückte es schon damals so aus: "Wenn wir wüßten, was die Messe ist, wir würden die Welt umkehren. Wir würden in kurzer Zeit die größte aller geistigen Revolutionen vollbringen. Wir würden das Angesicht der Erde erneuern. Alle Priester würden Heilige und alle Pfarreien umgewandelt. Aber wir wissen kaum noch, was die Messe ist. Wir Geistlichen nicht und das katholische Volk nicht. Wir gehen mit halbblinden Augen zu den Altären. Wie Halbbewußtlose, die nicht recht wissen, was sie machen." *

Das II. Vatikanische Konzil sagt in Gaudium et spes Nr. 45: Die Kirche strebt "nach dem einen Ziel, nach der Ankunft des Reiches Gottes und der Verwirklichung des Heiles der ganzen Menschheit. Alles aber, was das Volk Gottes in der Zeit seiner irdischen Pilgerschaft der Menschenfamilie an Gutem mitteilen kann, kommt letztlich daher, daß die Kirche das 'allumfassende Sakrament des Heiles' ist, welches das Geheimnis der Liebe Gottes zu den Menschen zugleich offenbart und verwirklicht."

In der Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" von Papst Johannes Paul II. 2003 heißt es: "Die Kirche lebt unaufhörlich vom Erlösungsopfer. (...) ... dieses Opfer wird gegenwärtig und dauert auf sakramentale Weise in jeder Gemeinschaft fort, in der es durch die Hände des geweihten Priesters dargebracht wird. Auf diese Weise wendet die Eucharistie den Menschen von heute die Versöhnung zu, die Christus ein für allemal für die Menschen aller Zeiten erworben hat." (Nr. 12).

Christus ist vor 2000 Jahren für uns am Kreuz gestorben und hat uns erlöst. Wir gehen aber nicht zur Hl. Messe, um einfach an dieses historische Ereignis zu denken und dafür zu danken. Denn es ist mit diesem historischen Ereignis nicht einfach für uns "alles in Ordnung". Vielmehr wird dieses Ereignis bei der Hl. Messe gegenwärtig. Es wird nicht wiederholt, sondern dieses einzige damalige Ereignis wird gegenwärtig. Das ist ein übernatürliches Geschehen, ein Wunder. Und weil das Erlösungsopfer gegenwärtig wird, deshalb ist die Hl. Messe von so großer Bedeutung: Die Erlösungstat Christi vor 2000 Jahren wird durch die Hl. Messe für unsere Gegenwart wirksam.

Lassen wir in den folgenden Absätzen Robert Mäder sprechen:

"Was ist die hl. Messe? Das gegenwärtige Golgatha. Der wichtigste Tag der Weltgeschichte ist der Karfreitag. Die wichtigste Stunde der Weltgeschichte ist die Todesstunde Jesu. Von dieser Stunde hängt das Heil der Welt ab für alle Jahrtausende."

"Was ist die Messe? Ein Gnadenstrom. Alle Gnaden kommen vom Kreuz. Das Kreuz ist die Zentrale aller Gnaden. (...) Wir sind erlöst durch das kostbare Blut. Oberster Glaubenssatz des Christentums! Aber die Gnaden, die in dem Herzen Jesu wie in einem Reservoir aufbewahrt sind, bedürfen eines Kanals, durch den sie den Menschen zugewendet werden. Dieser Gnadenkanal ist beim Letzten Abendmahl eingesetzt worden. Es ist der unter der Gestalt des Brotes gegenwärtige Leib des Herrn, der für uns hingegeben, es ist das unter der Gestalt des Weines lebendige Blut Christi, das für uns vergossen wird. Es ist die Messe. (...) Die Messe ist das wirkliche, ... geheimnisvolle Bluten der Wunden Christi. Die Messe ist der opfernde, blutende, betende, gnadenspendende Christus."

"Als ... Erneuerung des Kreuzesopfers ist die heilige Messe die Blutkammer, aus der ununterbrochen die Lebensströme der Gnade hinausgetrieben werden bis in die äußersten Adern des Menschheitsorganismus. Die Welt lebt übernatürlich von der Messe. Die ganze Welt. Ob sie es weiß oder nicht. Das 'Ohne Mich könnt ihr nichts tun' gilt auch hier in Beziehung auf die heilige Messe."

"Die Messe ist die Wandlung. Alles andere im Gottesdienst ist nur vorbereitend und vollendend. Der Höhepunkt, die Seele der ganzen Opferhandlung ist die Wandlung. Die Messe ist der Wandlung wegen da. Die Priester werden der Wandlung wegen geweiht. Die katholischen Kirchen werden der Wandlung wegen gebaut."

"Die Messe ist der große Gnadenkanal der Christenheit. Wir leben von der Messe. Es gibt noch andere Gnadenleitungen, die wir Sakramente nennen (...) Aber diese Gnadenleitungen sind nur Nebenkanäle, die aus dem Hauptkanal der heiligen Messe ihre Nahrung schöpfen, dem auf den Altären opfernden Christus. Die Hauptsache in der Rettung der Menschheit ist die Messe."

"Mir scheint trotzdem wir an die Messe glauben, die Messe müsse sozusagen erst wieder entdeckt werden in ihrer ganzen ungeheuren Bedeutung für die Seelen, die Pfarreien und die Völker. Als das Herz. Als das Zentrale im Weltgeschehen. Als die übernatürliche Lebensquelle der Menschheit."

"Warum geht so manches Hochgewitter der göttlichen Gerechtigkeit an uns vorbei? Warum schlägt's so selten ein? Warum verfährt Gott mit uns noch so barmherzig und langmütig? Ich will es euch sagen. Es ist wegen der heiligen Messe. (...) Es ist wegen Jesus Christus, der für uns auf dem Altare opfert und betet ... . (...) Das ist der Leib, der für euch dahingegeben wird. Das ist das Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Jesus ... ist gegenwärtig und betet und opfert wir nur ein Allmächtiger und unendlich Heiliger beten und opfern kann für die Sünden der Gemeinde um Verzeihung. Das Zorngewitter der göttlichen Gerechtigkeit geht vorüber. Gott wartet. Gott hat noch einmal Geduld ... ."

"Man soll es nur einmal probieren. Man schaffe die Messe aus der Welt und die Welt wird zugrunde gehen. Wenn Christus der Herr nicht mehr kommt und betet für unsere Sünden, dann kommt die Strafgerechtigkeit und züchtigt."

Heute gibt es viele Wortgottesfeiern. Sie sind oft sehr lebendig, kreativ und theologisch bestens gestaltet. Auch dann, wenn eine Hl. Messe als langweilig empfunden wird, keine besondere Gestaltung, langweiliger Priester, langweilige Predigt ... , ereignet sich hier unvorstellbar mehr.

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* MÄDER, Robert: Zurück zur Messe! Feldkirch: Lins-Verlag, 2015.
  (ebenso alle anderen Zitate von Mäder)
 

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